Das Kirchenlokal der Neuapostolischen Kirche Wallerfangen befindet sich in einem ehemaligen jüdischen Bethaus. Der Bau wurde bereits 1893 errichtet und wird von den Einwohnern Wallerfangens auch "Alte Synagoge" genannt. Nach 1956 kaufte die Neuapostolische Kirche das um 1950 gepachtete Gebäude von der Synagogengemeinde Saar. Bischof Pfennig und Senatspräsident Levi regelten damals die Formalitäten des Kaufs. Man freute sich über die weitere Verwendung der ehemaligen Synagoge als Gotteshaus. Seither finden hier die Gottesdienste der neuapostolischen Christen statt. Da vergleichsweise nur wenige Umbauten seit dieser Zeit durchgeführt wurden, gibt das Gebäude immer noch die Möglichkeit, sich die ursprüngliche Gestaltung des Innenraums vorzustellen. Der Bau steht seit 1990 unter Denkmalschutz.
Im Ort gab es seit Mitte des 17. Jahrhunderts, wie auch in den Städten und Dörfern der Umgebung, mehrere jüdische Familien, die sich vor allem als Metzger und Viehhändler betätigten. Wahrscheinlich bestand seit dem Ende des 18. Jahrhunderts in Wallerfangen eine Synagogengemeinde, denn 1817 muss es schon seit längerer Zeit eine Synagoge im Ort gegeben haben. Die Juden aus Beaumarais, Felsberg und Niederlimberg waren lange Zeit der wallerfanger Gemeinde angeschlossen. Auf dem Grundstück des Juden Herz Kahn in der Villeroystraße wurde 1838 ein neues Bethaus errichtet. Nach 1890 stand die alte Synagoge einer Firmenerweiterung des Wallerfanger Betriebes der Firma Villeroy und Boch im Weg. Die Firma übernahm die Kosten für eine neue Synagoge, die 1892 in der heutigen Gartenstraße erbaut und am Schabbat 24./25. Februar 1893 mit einem Fest für den ganzen Ort eingeweiht wurde. Oberrabbiner Dr. Baßfreund in Trier hielt die Predigt. Der Synagogenchor aus Merzig und eine Regimentskapelle übernahmen die musikalische Umrahmung.
Da die Mindestanzahl von zehn jüdischen Männern im Gottesdienst um 1913 nicht mehr erreicht wurde, besuchten die Juden Wallerfangens übergangsweise die Gemeinde Beaumarais. Später war Wallerfangen dannwieder eine selbständige Synagogengemeinde. Ihr rechtlicher Status war der eines privatrechtlichen Vereins. Nutzungsende der Synagoge ist mit 1935 angegeben.
In ihren Veröffentlichungen geben Dr. Hans Neis, der ehemalige Vorsitzende des Heimatkundevereins, Dr. Pascal Strobel, Bischof der Neuapostolischen Kirche, und Anni Weitner Einblicke in die Geschichte und das Schicksal der Vorbesitzer. Die Artikel "Die letzen Juden in Wallerfangen" (Ausgabe 3/4, S. 88-90) und "Selma und ihre Reisetasche" (Ausgabe 1/4, S. 24-25) erschienen 1987 und 1988 in der Zeitschrift "Unsere Heimat". Wir danken an dieser Stelle den Herausgebern des Magazins für die Genehmigung zur Veröffentlichung, ebenso wie dem Verein für Heimatforschung Wallerfangen e.V. für die Unterstützung bei den Recherchen.