Mit einem detaillierten Tagesprogramm hat die neuapostolische Kirchengemeinde
Wallerfangen die verschiedenen Epochen ihres Gotteshauses der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Besucher zeigten sich interessiert und zugleich nachdenklich von den Berichten über
die Vergangenheit.
"Gedenket des Vorigen, wie es von alters her war." Unter diesem Gedanken aus
Jesaja 46 hielt der Gemeindevorsteher Dr. Pascal Strobel einen Gedenkgottesdienst. Er ging dabei auf Geschehnisse aus dem
Alten und Neuen Testament ein, die zum Erinnern persönlicher Gotterleben,
an Glaubenslehrer und der Liebestaten Jesu auffordern.
"Es ist wichtig zurückzuschauen um für die Gegenwart segensreiche Entscheidungen zu treffen."
Dabei gelte es die Gebote Gottes wie eine Reling am Schiff zu verstehen,
die begrenzt um zu bewahren. Gerade das Einhalten dieser Gebote schon im Kleinen hätte
der Menschheitsgeschichte Kriege, Verfolgungen und Ungerechtigkeiten erspart,
wie sie auch von den Vorbesitzern des heutigen Kirchengebäudes durchlitten wurden.
Das Nachmittagsprogramm wurde vom Vorsitzenden des Vereins für Heimatforschung Wallerfangen,
Dr. Peter Winter eröffnet, der mit einleitenden Worten den Besuchern
den Sinn und Nutzen eines Tages des Denkmals verdeutlichte.
Dr. Reiner Schütte stellte im ersten Vortrag des Programms die Historie der
Alten Synagoge vor, die 1893 vom Keramikhersteller Villeroy & Boch für die Synagogengemeinde im
Ort errichtet wurde. Im Gegenzug konnte das Unternehmen das Terrain der vorherigen
Synagoge zur Firmenerweiterung nutzen. Neben dem Vorsitzenden der Synagogengemeinde Saar,
Richard Bermann, zeigte sich mit Claude Villeroy de Galhau auch ein
Familienvertreter des bekannten Namens von den Details der historischen Eröffnungsfeier
beeindruckt. 1950 wurde der Sakralbau dann von der Neuapostolischen Kirche käuflich erworben.
Er steht seit 1990 unter Denkmalschutz.
Großen Zuspruch erhielt Katja Motsch für ihren Vortrag zur gesellschaftlichen
Situation der Juden im 19. Jahrhundert. Sie erklärte die Hintergründe zur
Entstehung des Antisemitismus und zeigte wie viele Juden
- bis hin zur Aufgabe ihrer Religion - alles versuchten, um in der Gesellschaft als
patriotische Staatsbürger anerkannt zu werden.
Nachdenklich wurde es während dem Vortrag von Stefan Krämer. Er griff
Erlebnisberichte von Einwohnern Wallerfangens über die letzten Juden
im Ort auf, und gab damit den Namen von Mitgliedern der früheren Synagogengemeinde ein Gesicht.
Die Geschichte der neuapostolischen Kirchengemeinde und den Erwerb des Gotteshauses
präsentierte am Ende der Vorträge Gemeindevorsteher Pascal Strobel. Dabei ging er auf das
Gemeindeleben der neuapostolischen Christen ein und erklärte interessierten Besuchern
die Glaubensgrundlagen der drittgrößten Kirche in Deutschland.
Den glanzvollen Abschluss des Tages bildete der "Konzertabend in der Alten Synagoge"
mit dem Ersten Konzertmeister des Saarländischen Staatsorchesters, Wolfgang Mertes.
Der Geigenvirtuose wurde dabei am Klavier von Matthias Ernst begleitet. Das vielseitige Programm
mit Stücken von Bach, Tschaikowsky und Paganini bis hin zu Melodien
von Edith Piaf wurde von den Zuhörern begeistert aufgenommen. Sie feierten die beiden
Ausnahmekünstler ausgiebig mit stehenden Ovationen.
[ bes / 9.9.2007 ]