Dem Gedenken Raum gegeben - [1] [2]
Viel Nachdenkliches am Tag des offenen Denkmals

Mit einem detaillierten Tagesprogramm hat die neuapostolische Kirchengemeinde Wallerfangen die verschiedenen Epochen ihres Gotteshauses der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Besucher zeigten sich interessiert und zugleich nachdenklich von den Berichten über die Vergangenheit.

"Gedenket des Vorigen, wie es von alters her war." Unter diesem Gedanken aus Jesaja 46 hielt der Gemeindevorsteher Dr. Pascal Strobel einen Gedenkgottesdienst. Er ging dabei auf Geschehnisse aus dem Alten und Neuen Testament ein, die zum Erinnern persönlicher Gotterleben, an Glaubenslehrer und der Liebestaten Jesu auffordern. "Es ist wichtig zurückzuschauen um für die Gegenwart segensreiche Entscheidungen zu treffen." Dabei gelte es die Gebote Gottes wie eine Reling am Schiff zu verstehen, die begrenzt um zu bewahren. Gerade das Einhalten dieser Gebote schon im Kleinen hätte der Menschheitsgeschichte Kriege, Verfolgungen und Ungerechtigkeiten erspart, wie sie auch von den Vorbesitzern des heutigen Kirchengebäudes durchlitten wurden.

Das Nachmittagsprogramm wurde vom Vorsitzenden des Vereins für Heimatforschung Wallerfangen, Dr. Peter Winter eröffnet, der mit einleitenden Worten den Besuchern den Sinn und Nutzen eines Tages des Denkmals verdeutlichte.

Dr. Reiner Schütte stellte im ersten Vortrag des Programms die Historie der Alten Synagoge vor, die 1893 vom Keramikhersteller Villeroy & Boch für die Synagogengemeinde im Ort errichtet wurde. Im Gegenzug konnte das Unternehmen das Terrain der vorherigen Synagoge zur Firmenerweiterung nutzen. Neben dem Vorsitzenden der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, zeigte sich mit Claude Villeroy de Galhau auch ein Familienvertreter des bekannten Namens von den Details der historischen Eröffnungsfeier beeindruckt. 1950 wurde der Sakralbau dann von der Neuapostolischen Kirche käuflich erworben. Er steht seit 1990 unter Denkmalschutz.

Großen Zuspruch erhielt Katja Motsch für ihren Vortrag zur gesellschaftlichen Situation der Juden im 19. Jahrhundert. Sie erklärte die Hintergründe zur Entstehung des Antisemitismus und zeigte wie viele Juden - bis hin zur Aufgabe ihrer Religion - alles versuchten, um in der Gesellschaft als patriotische Staatsbürger anerkannt zu werden.

Nachdenklich wurde es während dem Vortrag von Stefan Krämer. Er griff Erlebnisberichte von Einwohnern Wallerfangens über die letzten Juden im Ort auf, und gab damit den Namen von Mitgliedern der früheren Synagogengemeinde ein Gesicht.

Die Geschichte der neuapostolischen Kirchengemeinde und den Erwerb des Gotteshauses präsentierte am Ende der Vorträge Gemeindevorsteher Pascal Strobel. Dabei ging er auf das Gemeindeleben der neuapostolischen Christen ein und erklärte interessierten Besuchern die Glaubensgrundlagen der drittgrößten Kirche in Deutschland.

Den glanzvollen Abschluss des Tages bildete der "Konzertabend in der Alten Synagoge" mit dem Ersten Konzertmeister des Saarländischen Staatsorchesters, Wolfgang Mertes. Der Geigenvirtuose wurde dabei am Klavier von Matthias Ernst begleitet. Das vielseitige Programm mit Stücken von Bach, Tschaikowsky und Paganini bis hin zu Melodien von Edith Piaf wurde von den Zuhörern begeistert aufgenommen. Sie feierten die beiden Ausnahmekünstler ausgiebig mit stehenden Ovationen. [ bes / 9.9.2007 ]


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